Mindesthaltbarkeit für Elektrogeräte gefordert

29. Juli 2016

Menschenunwürdige Bedingungen: Kinder suchen nach Aluminium, Kupfer oder Eisen auf der Müllhalde von Agbogbloshie/Accra. (Uniceffoto 2011) © dpa

Mindesthaltbarkeit für Elektrogeräte gefordert

Endlich wurde zur Entlastung der Umwelt eine Verordnung erlassen, die Händler verpflichtet, gebrauchte und vermutlich nicht mehr funktionsfähige Elektrogeräte zurückzunehmen und fachgerecht zu entsorgen. Endlich?
Diese Verordnung gibt es doch schon eine ganze Weile und einige Händler haben sich freiwillig selbstverpflichtet, alte Geräte zurückzunehmen, um damit Kunden anzulocken, oder? Inzwischen sind also auch online Händler zur Rücknahme verpflichtet.

Es macht jedoch nur den Anschein, als sei damit eine Entlastung der Umwelt verbunden. Denn wo sind die alten verbrauchten Geräte bislang gelandet? Ich habe noch nie einen alten Fernseher im Wald zurückgelassen, weil er nicht mehr funktionierte.

Das Problem liegt doch darin, dass immer mehr Geräte mit einem immer kürzen Lebenszyklus und de facto mit einer viel größeren ökologischen Zerstörungsleistung verkauft werden. Es werden immer mehr Ressourcen verbraucht sowie CO2 und andere Umweltgifte emittiert, damit einer der wesentlichen Wachstumsmärkte am Laufen bleibt und den Unternehmen unfassbar und eigentlich schon unverschämt hohe Margen beschert.

Die weltweite Arbeitsteilung und die enorme Produktivität aber auch die Ausbeutung der Arbeitehmer_innen in den Herstellerländern ermöglichen heutzutage Preise u.a. für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik, die so niedrig sind, dass sich eine Reparatur eines defekten Produkts kaum lohnt, die Geräte sind meistens auch so konstruiert, dass ganze Baugruppen ausgetauscht werden müssten, was die Reparaturkosten wiederum noch mehr in Höhe treibt.

Die Hersteller setzen viel daran, die zeitlich geplante Abnutzung bestimmter Teile zu entwickeln und von Anfang an in die Geräte einzubauen. Meistens geschieht das ausgerechnet kurz nach Ablauf der Gewährleistungsfrist, was für ein Zufall?! Da ist der Vorstoß einiger Bundestagsabgeordeter, den Herstellern von Elektrogeräten sogenannte Mindestnutzungszeiten aufzuerlegen
(siehe Artikel).

Doch was passiert eigentlich mit dem ganzen Elektroschrott? Schließlich sind darin ja größtenteils noch brauchbare und auch kostbare Rohstoffe enthalten. Dieser Elektroschrott, also die angeblich so umweltverträglich zurückgenommenen Elektrogeräte werden meist auf den Afrikanischen Kontinent verklappt. Dort schlachten vor allem Kinder auf hochgiftigen Schrotthalden die alten Geräte aus und durchsuchen sie nach Resten von Eisen, Aluminium oder Kupfer. „Messungen haben ergeben, dass die Schadstoffbelastung in Luft und Boden die zulässigen Grenzwerte um das 50-fache überschreitet. Es ist das andere Ende unserer Sucht nach modernster Elektronik.“
(Afrikas giftigste Müllhalde, 3sat.de).

Menschenunwürdige Bedingungen: Kinder suchen nach Aluminium, Kupfer oder Eisen auf der Müllhalde von Agbogbloshie/Accra. (Uniceffoto 2011) © dpa
Menschenunwürdige Bedingungen: Kinder suchen nach Aluminium, Kupfer oder Eisen auf der Müllhalde von Agbogbloshie/Accra. (Uniceffoto 2011) © dpa

Ich finde, wir Europäer als einer der größten Elektroschrott-Exporteure sollten gemeinsam achtsamer damit umgehen und nicht sofort jedem Trend nachgehen und andauernd ein noch neueres Smartphone besitzen wollen.